Wohnen im Passivhaus

Klimaschonend, behaglich und preiswert


„Das beste Konzept zur Energieeinsparung ist, Energie erst gar nicht zu verbrauchen“, betont Franz Freundorfer, Vorsitzender des Vereins Passivhauskreis Rosenheim Traunstein. Angesichts der Tatsache, dass mehr als 40 % der eingesetzten Energie in Deutschland für Raumheizung und Warmwasser ver(sch)wendet wird, durch Bauen in Passivhausstandard jedoch 80-95 % des Heizenergiebedarfs eingespart werden kann, liegt es eigentlich auf der Hand, dass dieser bewährte Baustandard die Basis aller Energieeinsparungsverordnungen sein sollte. Allerdings ist das nicht der Fall, wie Freundorfer bedauert. „Jeder spricht von Energiekrise, energieeffizientem Bauen und Energieeinsparung – doch noch immer wird nur ein geringer Teil der Neubauten nach Passivhausstandard gebaut und noch weniger Altbauten nach diesen Standards saniert. Europaweit sind bis Mitte 2012 zwar über 55.000 Wohneinheiten im Passivhaus-Standard errichtet worden, die meisten in Deutschland und Österreich, doch Passivhaus-Standard müsste Baustandard werden“.

Vorurteile wie „hohe Baukosten“, „fehlender Wohnkomfort“, „unschöne Optik“, „Gefahr von Schimmelpilzbildung“ und „hoher Stromverbrauch“ sind häufig Kriterien, die Bauherren und auch Architekten vor dem Bau eines Passivhauses zurückschrecken lassen. Diese scheinbaren Gründe, sich gegen Passivhausbauweise zu entscheiden, können jedoch bei etwas intensiverer Beschäftigung mit dem Thema leicht ausgeräumt werden.

Das Passivhaus ist die Weiterentwicklung des Niedrig-Energiehauses. Mit einer sehr guten Wärmedämmung vom Keller bis zum Dach und der gesamten Außenhaut des Gebäudes, einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und durch eine Nutzung der passiven solaren Gewinne durch Wärmeschutzverglasung mit großen Fensterflächen im Süden und kleinen Öffnungen im Norden benötigt ein Passivhaus keine konventionelle Heizung mehr, spart Primärenergie und schont das Klima.

Der Begriff „Passivhaus“ leitet sich aus der möglichst passiven Beheizung eines Gebäudes ab. Neben der Sonneneinstrahlung wird die Abwärme von technischen Geräten wie Fernseher, Kühlschrank, Computer, Beleuchtung sowie die abstrahlende Körperwärme der Bewohner zur Erwärmung der Raumluft genutzt. Dank optimaler Dämmung sind Böden und Wände gleichbleibend temperiert und sorgen das ganze Jahr über für Behaglichkeit. Wesentlicher Bestandteil eines Passivhauses ist zudem eine kontrollierbare Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Bis zu 95 % der Abluftwärme können für die Zuluft zurückgewonnen werden. Dank moderner Filter wird durch die durchgängige Belüftung des Hauses zudem die Raumluftqualität im Vergleich zur Außenluft erheblich verbessert.

Durch diese Nutzung indirekter Wärmequellen spart das Passivhaus im Vergleich zu bestehenden Wohngebäuden 90 % des Primärenergiebedarfs ein. Der Heizwärmebedarf eines Hauses nach Passiv-
haus-Standard liegt unter 15 kWh/(m2a). Dies entspricht rund 1,5 l Heizölverbrauch pro Quadratmeter und Jahr. Damit liegt der Wärmeenergiebedarf eines Passiv-
hauses 50-70 % unter dem eines neu gebauten Hauses nach der aktuellen EnEV (Energieeinsparverordnung). Insgesamt darf ein Passivhaus nach Passivhaus-
Baustandard nicht mehr als 120 kWh Primärenergiebedarf pro m2 und Jahr benötigen – inklusive des Haushaltsstroms.
Weiterer Vorteil eines Passivhauses: Auf eine Klimaanlage kann in unseren Breiten im Sommer dank optimaler Dämmung verzichtet werden. In allen Räumen herrscht das ganze Jahr über angenehme Wohlfühltemperatur. „Stellen Sie sich ein Haus vor: im Sommer angenehm kühl, im Winter behaglich warm, und dies dauerhaft bezahlbar, selbst bei immer stärker steigenden Energiepreisen“, schwärmt Freundorfer, selbst Bewohner eines Passivhauses. Vorurteilen wie zum Beispiel „In Passivhäusern dürfen Fenster nicht geöffnet werden“ – natürlich darf gelüftet werden, es ist allerdings nicht notwendig – sind ebenso unwahr wie Behauptungen, in Passivhausstandard gebaute Häuser seien dunkel und einfallslos. Passivhäuser unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht von anderen Häusern.

Die Baukosten zur Errichtung eines Einfamilienhauses in Passivhaus-Standard liegen rund 0 bis 10 % über denen, die für den Bau eines Hauses nach aktueller EnEV benötigt werden. Trotz dieser Mehrkosten liegen die jährlichen Kosten für Betrieb und Rückzahlung der Investition deutlich unter denen eines konventionellen Gebäudes. Die Kosten einer Altbausanierung liegen rund 10 bis 15 % über den Kosten für eine konventionelle Sanierung.

Bei fachgerecht ausgeführter Sanierung durch extra für Passivhaus-Standard qualifizierte Handwerksbetriebe und Architekten können bis zu 90 % des Heizenergiebedarfs eingespart werden. „Bauen und Sanieren nach Passivhaus- Standard spart bares Geld, solange das Haus steht. Für mein Passivhaus mit 175 m2 Wohnfläche benötige ich das ganze Jahr über maximal 2 Ster Holz für die Heizung“, betont Freundorfer. Hinzu kommen hohe Fördermöglichkeiten durch die KfW.

Der Passivhaus-Standard wurde 1990 in deutsch-schwedischer Kooperation entwickelt und ist einer der am genauesten überprüften Baustandards. Er will nicht nur den extrem niedrigen Energiebedarf von Passivhäusern sicherstellen, sondern sorgt vor allem dafür, dass sich die Bewohner im Sommer wie im Winter behaglich fühlen.